So, so. Langsam aber sicher wird der Verkehr in der sogenannten Oberstadt zu viel? Ja, das hätte ich schon vor 15 Jahren sagen können. Und da stand der Konsumtempel noch nicht an der Stelle des ehemaligen Brückenkopfes. Aber wie, wenn nicht mit dem Auto, sollen denn die so gerne gesehenen Kunden da hin kommen? Vor allem die von ausserhalb. Die umliegenden Ort könnte man ja mit ein bisschen Mühe mit dem Bus anbinden. Da ist ja noch Luft nach oben, dazu habe ich mich an anderer Stelle ja schon mal ausgelassen.
Aber wir haben ja “überregionale Strahlkraft” – habe ich jedenfalls gehört. Diesen Begriff sollen sowohl Mitglieder des Stadtrates als auch ortsansäßige Unternehmer schon in den Mund genommen haben. Also irgendwie müssen die Kunden ja zu uns kommen. Da die Schienenverbindung gekappt ist, bleibt ja nichts anderes als der Personenkraftwagen. Das gleiche gilt ja auch für die vielen Arbeitnehmer – weil wir doch so viele Arbeitsplätze haben.
Nur hat die Sache einen Haken, sowohl Arbeitnehmer als auch Kunden verursachen nun mal Verkehr. Auf der einen Seite will man beide locken, auf der anderen Seite den Verkehr los werden. Irgendwie scheint das nicht so richtig lösbar. Die Gedanken hätte man sich doch machen können, bevor man den häßlichen Klotz in die Schloßstraße hat setzen lassen. Was glauben Sie wohl, was die Mieter dort sagen, wenn die Verwaltung beginnt, die Verkehrsströme in diese Richtung ab zu graben?
Wie schon so oft, war es gut gemeint aber nicht gut gemacht oder einfach nicht bis zum Ende durchdacht. Denn egal auf welche Seite ihr den Verkehr jetzt lenkt: die Innenstadt wird dadurch noch einsamer. Der einzige der sich vielleicht freuen könnte, wäre der gemeinsame Inhaber von Hela und dem im Bau befindlichen Globus-Baumarkt. Denn wenn ihr den Verkehr am Umspannwerk vorbei in die Stadt leitet, dann ist ja klar, dass der Hela schliesst, sobald der Globus fertig ist und in den Hela dann ein Globus-Lebensmittelmarkt kommt. Weil einfacher kann man die Kunden ja nicht abfangen.
Und eines ist beim neuen Konzept auch nicht bedacht worden. Es gibt Ströme, die sich gar nicht viel anders lenken lassen. Der Verkehr zum Krankenhaus wird immer über die Kurfürstenstrasse gehen müssen. Die Strecken der Busse ja auch. Was vielleicht ein wenig helfen könnte, ist die Fehlplanung am ZOB zu korrigieren und den vernünftig in den Kontext der Umgebung zu setzen. Das würde sicherlich auch entlasten.
Und wenn das Land schon keinen Passivhaus-Standard für das neue Rathaus genehmigt, dann aber vielleicht Schallschutz-Fenster für die Büros auf der Strassenseite. Denn irgendwie kommt es mir so vor, als wäre die ganze Sache nur deswegen auf einmal im Blickfeld. Übrigens ist doch da schon eine “versuchsweise Verkehrsbehingerung” als gesetzt zu betrachten: diese Baustelle wird ja sicher ein wenig die Straße verengen, oder?
Aber egal. Ich komme vom Thema ab. Fakt ist, wer Kunden und Arbeitnehmer will, muss auch die Blechlawine zähmen oder eben vermeiden. Die Möglichkeiten zum Vermeiden in Gestalt vom ÖPNV hat man entweder verhindert (Schiene) oder verbaut (ZOB). Bleibt also noch eine Umverteilung auf die verschiedenen “Eingänge” der Stadt. An und für sich eine gute Idee, wenn sie mit einer Gewissen konsequenz durchgeführt wird. Aber eben auch die Gefahr, dass die Läden an den Rändern diese Zustöme abfangen werden.
Na, mal sehen, wie sich das entwickelt.